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Lieber "etwas" sein, als gar nicht(s) sein.

Lieber „etwas“ sein, als gar nicht(s) sein.

In Österreich versuchen sich junge Identitäre der sogenannten Modernen Rechten, die von Experten als Neofaschisten klassifiziert werden, aus ihrem persönlichen Limbo zu befreien, indem sie (zum Beispiel) Kirchen gegen-besetzten, in denen abgelehnte Asylbewerber ums Überleben kämpften (es war ihnen dann aber doch zu kalt). Einer von jenen Identitären ist der 28-jährige Martin Sellner (er veröffentlichte bereits seine Autobiographie). Martin träumt von einem Recht auf Identität. Kahlkopf und Springerstiefel sind die Sache jener „jungen Wilden“ nicht, sie sind keine Neonazis, nein, sie sind rechtsextreme Elite. Kulturnationalisten. Lässig, vernetzt, hart! Pop von Populismus, nicht von den Beatles! Das erinnert an den Versuch neo-konservativer Zirkel innerhalb katholischer Bewegungen, den Rechtspopulismus für die Jungen attraktiv zu machen. Das Podium des Rechtskatholizismus ist nicht mehr die Kirche, die Heilige Messe, sondern das überkonfessionell-amerikanisierte Gebetshaus für MEHR Konferenz-Masse. Die Prediger sind keine Pfarrer mehr, sondern Gurus und Gesellschaftswissenschaftler mit einer politischen Botschaft im religiösen Schafspelz (Anti-Feminismus, Homophobie, Islamhass, offener oder getarnter Antisemitismus/vgl. Gabriele Kubys Vortrag Bringing America back to Life). Christliche Popmusik statt Orgel-Fuge, denn nicht alles, was modern ist, ist schlecht, sofern der Inhalt stimmt – „linke“ Mittel sind erlaubt! Es bleibt die Frage: Warum befinden sich diese und jene Gruppierungen im Aufwind? Weil sie gemeinsam stark sind? Was verbindet ihre Anhänger? Ihre innere Leere, das ist meine These. Living in Limbo! Sartre kennzeichnete den Antisemitismus als Ausdruck des Unbehagens mit sich selbst. Ich würde noch viel weiter gehen: Das „Identitäre“ ist eine perverse Form narzisstischer Selbst-Verachtung/Behauptung, die sich in der Entwertung wahrhafter Identität ausdrückt, und dies als „Recht auf Identität“ verkauft.