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Über das Aussteigen in Zeiten der Sicherheitsverwahrung.

Über das Aussteigen in Zeiten der Sicherheitsverwahrung.

Hallo Ihr Lieben … ich möchte euch mitnehmen auf eine Reise; im letzten Jahr habe ich angefangen, meinen Ausstieg zu planen und habe deshalb auch weniger veröffentlicht, obwohl die politische Situation es mehr als hergegeben hätte, sich mit Kommentaren nicht zurückzuhalten. An meiner Einstellung, Widerstand gegen den Rechtsruck zu leisten, hat sich nichts geändert, weiterhin sehe ich hier viel Verantwortung, dass jeder mit seinen Mitteln kämpfen möge gegen die Entdemokratisierung, gegen Rassismus, gegen Antifeminismus, Chauvinismus, gegen die neo-völkischen bzw. klerikal-faschistischen Etablierungsmaßnahmen einer Heterosexuellen Matrix der Neuen Rechten – gegen die Dekonstruktion der Menschenrechte und die Einschränkung der Pressefreiheit.

Im Sommer letzten Jahres ist mein Kollege und Freund Wolfgang Blankschein gestorben; meine Gast-Kolumnen erschienen von 2017 bis 2018 regelmäßig in seiner Online-Zeitung Confessiones Online. Noch während unserer Zusammenarbeit, bereits im Oktober 2017, habe ich mich bewusst entschieden, im Rahmen eines eigenen Blogs, den ich dann Anfang des Jahres 2018 zusammenschusterte, eine Richtung einzuschlagen als Autorin, die es mir ermöglichen würde, auch mal zwangloser aus meinem eigenen Leben zu berichten. Nachdem mich die schockierende Todesnachricht erreicht hatte, ging nichts mehr. Ich habe mein Romanprojekt aufgegeben, ich habe nur noch aus Pflichtgefühl die eine oder andere Kolumne rausgehauen – doch das, was wirklich in mir vorging, das hatte nichts mehr mit dem zu tun, was vorher war. Dass ich sowohl inhaltlich als auch der Form nach konsequenter meinen persönlichen Weg gehen wollte, weniger offensiv als Wolfgang Blankschein, das war das eine – ihn dann als geliebten Menschen auf diese Weise zu verlieren, das war das andere; in gewisser Weise hat sein Tod mich tragisch bestätigt, dass mich meine Intuition im Herbst 2017 nicht getäuscht hatte, unbedingt auf meinen eigenen Weg als Autorin zu bestehen, mich auf das einzulassen, was man das Risiko des Alleingangs nennen könnte, allerdings hat dieser unerträgliche Verlust mich so getroffen, dass meine Neuorientierung, die ja schon während unserer intimen Freundschaft begann (verbunden mit unüberbrückbaren Differenzen in der Sache „Investigativ-Journalismus“), dass meine Neuorientierung mir also heute natürlich in einem ganz anderen Licht erscheint, als vor seinem Tod, mich nämlich plötzlich mit dem Gefühl zurücklässt, ihn verraten zu haben; mein Rückzug aus jener Sache – war mein Rückzug feige?

 

Ich habe nicht nur meinen Polit-Roman aufgegeben, sondern ich möchte einen neuen Fokus setzen. Weg vom Investigativen hin zum genuin philosophischen Ton des sich selbst Riskierens. Die Schule des französischen Existenzialismus.