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Bonelli's Sin Peaks. Agent B's Doktorspiele - Wenn das Trauma zum Flirt wird!

Bonelli‘s Sin Peaks. Agent B’s Doktorspiele – Wenn das Trauma zum Flirt wird!

 

Mit der Vorankündigung von Sex und Verbrechen (vgl. Tagung Sex and Crime, RPP Institut Wien/Raphael Bonelli; Programm 15.06.2019) dürfte sich der Autor des Artikels „Weder frei noch Liebe. Apersonale Geilheit als Prinzip“ (vgl. derstandard unter der Rubrik Kommentar der anderen, 18.05.2018), der Psychiater Raphael Bonelli, bereits im Vorfeld ein Denkmal im österreichischen Kulturkampf gesetzt haben. Bonelli, der in Anliegen der Geschlechterbeziehung für die distanzierte Nähe plädiert, hat nachgelegt: Seine Sex-Tagung bietet unter anderem Bildungseinheiten zu den Distanzproblemen der Psychologie des Übergriffs, der hässlichen Seiten der Sexualität im Allgemeinen und der dunklen Frage, welchen Sex Frauen brauchen. Die aus dem Naturrecht abgeleitete Verquickung des biologischen Geschlechts mit (in der überkommenen Ehe zu erfüllenden) Aufgaben, welche die Zeugung von Volksnachkommen um die geistliche Berufung der Auferbauung eines moralisch gesunden Fundamentes für Staat, Kirche, Gesellschaft und Kultur veredeln sollen, diese absolute Verquickung in der hierarchischen Vorstellungswelt der Neo-Konservativen, deren anachronistisch geprägten, zunächst abseitig anmutenden Zirkel (in fundamentalistisch-christlichen, mit dem Aufblühen der Movimenti besonders in katholischen Kreisen erstarkt seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts und zwar als pseudo-alternative Bewegung gegen einen angeblichen totalitären westlichen, europäisch geprägten perversen linken Sex-Mainstream der 68er), deren Zirkel sich als der Pool zur Rekrutierung optimal vernetzter, modern operierender, international finanzierter, kommunikativ geschulter Rechtspopulisten angeboten und erwiesen haben – ihre ideologisch geschliffene, ihre traditionelle Verquickung der Themen Sexualität und Unsittlichkeit (Kriminalität) rollt(e) neo-faschistischer Propaganda den roten Teppich aus. Die RPP-Agenten des Umsturzes stochern mit Vorliebe im Dunkeln. Das apodiktische Fragen (nach dem richtigen Sex für Frauen) löst den Diskurs auf – Bonellis Postulat distanzierter Nähe unter Nicht-Gleichen macht den Höhepunkt einer befriedigenden Antwort obsolet. Alles beim Alten! Das ideologische Frauenbild des neo-konservativen Katholizismus ist zur Projektionsfläche neu-rechter Machtphantasien stilisiert worden, das klerikal-faschistische Ziel, eine breite Anti-Linksliberalen-Debatte anzustoßen, gilt als erreicht. Dieser Debatte um die Frauenfrage, einer unverhohlenen antifeministischen Propagandastrategie, ging der eiserne Wille ihrer Vollstrecker voraus, als Interpret*innen und Diener*innen des Marsches durch die linken Institutionen eine weltumspannende konservative Revolution zur Rettung des Abendlandes herbeizuführen, verbunden mit der konkreten Ablösung liberaler Regierungen durch autoritär eingestellte Polit-Performer, Demokratie- und Europaskeptiker/–feinde. Kollateralschäden wurden und werden dabei nicht nur in Kauf genommen, sondern meistens als alles andere als ein notwendiges Übel bewertet, vielmehr der konservativen Sache nach als Aufbruch gefeiert; Paradebeispiel Donald Trump wird (falls er sich als Wahnsinniger entlarven sollte, ist ohnehin die linksliberale Demokratie an allem schuld, die seine Wahl erst ermöglichte), wird wenn’s hochkommt zwar das Symptom einer gewissen Selbstidealisierung ferndiagnostiziert, ohne übermäßige Skrupel hingegen hält man für den linksliberalen Politiker Volker Beck den (Homosexuellen-?)Stempel des narzistischen Empörers, des moralischen Fremdabwerters parat (vgl. Raphael Bonelli / ntv Politik / Selbstverliebte Politiker. Ist Trump ein Narzisst? 15.09.2016): (Zitat) „Ein Beispiel dafür wäre der Grünen-Politiker Volker Beck. Der hat in den achtziger Jahren die Entkriminalisierung der Pädophilie befürwortet und später abgestritten, dies getan zu haben. Er hat verbotene Substanzen konsumiert, also ziemlich viel Dreck am Stecken. Trotzdem präsentiert er sich als große moralische Instanz und verurteilt andere mit großer Empörung. Natürlich ist auch dies nur ein Befund aus der Ferne – im persönlichen Umgang soll Volker Beck ja ein sehr netter Mensch sein.“ (Zitatende)

 

Das Frauenbild der Konservativen Revolution ist geprägt von der chauvinistischen Fixierung, dass Frauen sich einzig und allein dann wohlfühlen, d.i. sich ebenso entspannt wie sinnerfüllt verwirklichen könnten, wenn sie an der Seite eines zahlungsfähigen Allein-Ernährers ungehindert in Mutterschaft, Erziehung und Angelegenheiten der privaten Haushaltsführung aufzugehen vermögen. Diese durch den Mann, durch die chauvinistische Herrschaft, gewährte Verwirklichung der Frau (die eine damit zu vereinbarende Berufstätigkeit heutzutage nicht mehr kategorisch ausschließt) hat nicht nur die männliche Befriedung des Geschlechterkampfes zum Ziel, sondern sie ist der bevorzugte Hort ständiger Erbauung der Volksseele und damit keinesfalls bloß ein biologisch-geschlechtlicher, heimwirtschaftlicher Kulminationspunkt des großen Ganzen der Männerwelt, jene Gunst einer Verwirklichung bürgt über die Weitergabe und Pflege des äußeren Lebens hinaus für die Tradierung und Verteidigung des befriedeten heterosexuellen Kosmos, geboren aus der tiefen Zufriedenheit der Frau bei ihrer täglichen Erfüllung einer unverzichtbaren Aufgabe an der Seite des Mannes, geboren aus der beredten Stille ihrer eigenen Symbolkraft – jene aus der Gunst des Mannes heraus vollzogene Weiblichkeit bürgt für die Überlegenheit der chauvinistischen Nation. Das reaktionäre Frauenbild der Konservativen Revolution, diese neu-rechte Fixierung des Chauvinismus, wird am vehementesten und zugleich am sexualisiertesten von jenen vertreten, die damit einen universellen Wahrheitsanspruch verknüpfen; ihre Argumentationen beruhen nicht auf lediglich quasi-religiösen Prämissen, sondern auf den dogmatischen Säulen des konfessionellen Kirchenchristentums. Für sie ist die Frauenfrage keine Marginalie, für sie ist die Frauenfrage der Dreh- und Angelpunkt des Kulturkampfes. Der Apfel der Versuchung. Bemerkenswert bleibt der tragische Umstand, dass sich bereits junge Mädchen und Frauen des neo-konservativen Milieus bereitwillig dieser Fixierung nicht nur unterworfen haben – sondern sie als „revolutionäre Lebensform“ theoretisch angepriesen, sie persönlich gewählt und sie (zunächst im eher innerkirchlichen Geschehen gesellschaftspolitisch motivierter Zusammenkünfte und endlich) in virtuellen Räumen des Austausches und der Verbreitung ihrer Anschauungen aktiv und im öffentlichen Mainstream immer demonstrativer zur Schau gestellt haben, ob verheiratet oder noch auf dem exklusiven neo-konservativen Heiratsmarkt, das wirkt(e) dabei unerheblich, was zählt(e) war/ist die Gesinnung. Man könnte davon sprechen, dass sich diese medienbewussten bis journalistisch gebildeten Frauen (Publizistinnen) der Konservativen Revolution aus persönlicher Überzeugung unter Einsatz ihrer Unversehrtheit zu Werbeträgerinnen jenes Frauenbildes gemacht haben, dessen Auswirkungen nicht anders als (selbst-)zerstörerisch einzustufen sind, Auswirkungen, welche die Beobachter*innen dieser törichten Entwicklungen seit Ausklang des 20. Jahrhunderts verstören und alarmieren müssen. Denn hier betreiben Frauen, die das Privileg genießen dürfen, in einer Demokratie zu leben, in Freiheit ihre Bildungsjahre gestaltet zu haben und weiterhin ihre Existenz entwerfen zu können – betreiben privilegierte Frauen ihre Selbstauflösung. Diese Auflösung spiegelt sich in der Diskursauflösung jener Tagungen wider, deren Tenor des sich Abarbeitens an der weiblichen Sexualität an Zudringlichkeit kaum zu überbieten ist. Es wäre zu hinterfragen, ob der neu-rechte Kulturkampf nicht ein erbärmliches Anzeichen des Überdrusses Privilegierter, also ein Dekadenz-Phänomen darstellt. Oder:  Die Auflösung des Eigenen, der Freiheit (am Beispiel ihrer Werbeträgerinnen oben durchexerziert), wird tatsächlich als Chance der Selbstverwirklichung erlebt – Symptome dieser Art kennt man aus dem Bereich der Dissoziativen Störungsbilder – und entwickelt so ihren missionarischen Charakter. Jenes Dekadenz-Phänomen hätte dann eine Kehrseite, die auf ein Leiden an der Privilegierung hindeuten könnte, auf das sowohl mit inwendiger, als auch mit von innen nach außen getriebener Spaltung (der Gesellschaft) reagiert wird, die schließlich politisch als zielgerichtete anti-liberale Stoßkraft erscheint, d.i. faktisch wie eine mit neo-faschistischen Außenfeindprojektionen korrespondierende „Sache“ anmutet. In Sachen Konservative Revolution könnten wir es recht eigentlich mit einer Zivilisationskrankheit zu tun haben. Und damit wäre der Rechtsruck keine systemische Reinszenierung des deutschen Faschismus, sondern eine eigene faschistoide Form privilegierter Resonanz auf das Hier und Heute (nach 45, nach 68). Wenn das Trauma (des Überdrusses) zum Flirt wird!