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Martin Sellners Distanzbegriff im Lichte seiner Philosophie des Unwesentlichen und Beschränkten.

Martin Sellners Distanzbegriff im Lichte seiner Philosophie des Unwesentlichen und Beschränkten.

 

Der politische Theoretiker Martin Sellner hat seine Philosophie des Wahrlügens unlängst einem nicht-akademischen  Publikum via Twitter (Stand 13.06.19) zugänglich gemacht:

 

 (Zitat) "Das schöne am rechten Lager ist, dass wir idR auch eine innere Distanz zu unseren eigenen Ideen haben und uns selbst nicht 100% ernst nehmen müssen. Daher ist ein Streit, eher etwas wie ein Wettstreit, der nicht ans Wesentliche geht und nicht entgrenzt ist." (Zitatende)

 

Sein Ansatz, vom Unwesentlichen auszugehen, verbindet er mit einer Variablen X bezüglich der Haftung  für die praktischen Konsequenzen rechten Lagerdenkens. Er betont den Charakter des sich Messens beim ideologischen Argumentationsspiel und verweist auf das hundertprozentige Einverständnis aller Teilnehmer an diesem Schein-Diskurs,  dass in solch einem (Wett-)Streite also die Regeln der Logik stets unbeobachtet bleiben. Diesen Vorgang der Umkehrung der analytischen Voraussetzungen für "wahr" und "falsch" bezeichnet er stringent als Distanz zur Idee. Jene Beschränkung, d.i. die konsequente Distanz zur Wahrheit,  stellt für Sellner den Inbegriff des Schönen und der Innerlichkeit dar.

 

Es ist bemerkenswert,  wie sich der Philosoph Martin Sellner in resignierendem Hass vollends ergeht angesichts der Tatsache, dass seine Identitäre Bewegung (Ö) nun altbacken aus dem Zeitgeschehen gefallen anmuten muss neben der Realität einer authentischen und zukunftsfähigen Strömung der Jugendkultur, wie Fridays for Future sie darstellt. FFF bedeutet das, was Sellner lieber für endgültig tot erklärt hätte: einen wahrhaft modernen Reflex auf die 68er,  fern aller Nostalgie, frei von Weinerlichkeit, nüchtern, fortschrittlich, unsexualisiert, energisch, gewaltlos. Diese Jugendbewegung kommt ohne pseudo-hippe Einheitssuppe eines mit esoterischer Würze und Verschwörungstheorien garnierten "poppigen" Aufbruchs aus; dieser einer breiteren Öffentlichkeit bekannte Protest gegen das System No Future der etablierten Großparteien ist eigentlich gekennzeichnet von der Vermeidung des sich Verstrickens und nimmt damit völlig un-systemisch ungeahnte Freiheit und Individualität in Anspruch. Diese Vorgehensweise politischen Engagements bildet offensichtlich einen Antipol zur IBÖ – anders kann man sich Sellners vorsintflutliche Kommentare zum Kommunismus  (inflationär von ihm gepostet nach Christchurch, Ibiza und dem Mordfall Lübcke) nicht mehr erklären. Als würden von ihm überkommene Stereotype aus der Mottenkiste gekramt, als würden längst abgefeierte Systemfragen von seiner Seite aus gebetsmühlenartig wieder und wieder künstlich bemüht werden, um an Grund und Boden zu gewinnen für die eigene (rechte) Bewegung, während deren gängige Projektionen verstaubter Feindbilder auf den "linken Mainstream"  in Richtung  FFF nicht zünden wollen. Allein da bestimmte Projektionen als unabdingbarer Motor für die Sammlung der Neuen Rechten fungieren, dürfte es sich für Martin Sellner zu einer seiner prekärsten Herausforderungen entwickeln,  seiner Beschränkung Impulse hinzuzufügen, die seiner Philosophie des Wahrlügens den Odem jugendlicher Frische einzuhauchen vermögen: eine Erotik des Aufbruchs statt des Abgesangs. Logisch betrachtet eine unlösbare Aufgabe – im Kontext Identitärer Philosophie dagegen eine staatlich  sanktionierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, welche Martin Sellners erhöhtem Freizeitaufkommen weiterhin den Heiligenschein von Muße und Wissenschaft s-p-e-n-d-e-n wird.